PERSKINDOL SWISS EPIC | ERFAHRUNGSBERICHT ANDRIN BEELI

Ich freute mich riesig auf das diesjährige Swiss Epic zusammen mit meinem Teampartner Timon Rüegg. Swiss Epic bedeutet 6 Tage pures Mountainbiken auf feinsten Singletrails im Wallis, umgeben von einer grandiosen Alpenkulisse. In einem Prolog und fünf Etappen müssen rund 350km und 12‘000 Höhenmeter bewältigt werden.

Prolog Grächen, 11.09.17

Wie üblich wurde auch in diesem Jahr das Swiss Epic mit einem Prolog eröffnet. Die Gondelbahn brachte uns von Grächen auf die Hannigalp auf 2‘122 m.ü.M. Von dort aus wurde der Prolog gestartet. Zuerst folgte ein Aufstieg auf den Grat auf 2‘500 m.ü.M, von dem man einen Blick auf das 4‘506 m hohe Weisshorn hatte. Es folgte eine flowige Abfahrt, unter anderem entlang einer Suone. Zum Schluss mussten wir nochmals einen Gegenanstieg hinauf nach Grächen bewältigen.
Pünktlich um 14:40 Uhr wurden wir als eines der letzten Teams auf die Strecke geschickt. Wir fanden gut ins Rennen und konnten bis zum höchsten Punkt einen super Rhythmus fahren. In der Abfahrt galt es schnell zu fahren, jedoch auch nicht zu viel zu riskieren. Dies gelang uns ganz gut. Den Schlussaufstieg hinauf nach Grächen sind wir dann nochmals voll hochgefahren. Im Ziel reichte es für die neue Bestzeit. Fünf Teams waren noch unterwegs. Schliesslich reichte es für den super 4. Platz und das erste Podium war Tatsache. Wir freuten uns riesig über den geglückten Einstand.

1. Etappe Grächen – Leukerbad, 12.09.17

Bereits am zweiten Tag stand die Königsetappe auf dem Programm. Die heutige Etappe führte über 92km und 3‘100 HM von Grächen nach Leukerbad. Unterwegs galt es drei Haupthindernisse, Aufstiege von jeweils 45min-60min, zu bewältigen. Wir fuhren heute Streckenteile der Marathon-WM 2019, welche in Grächen stattfinden wird.
Bereits kurz nach dem Start machte das Leaderteam rund um Daniel Geismayr und Jochen Käss vom Centurion-Vaude Team mächtig Dampf. Es sprengte bereits das ganze Feld und so waren wir bereits früh alleine unterwegs. Wir wollten ja nicht überdrehen, da heute ein sehr langer Tag im Sattel bevorstand. In der Abfahrt nach Kalpetran holten wir die drei vor uns liegenden Teams wieder ein. Danach folgte der längste Aufstieg des Tages hinauf nach Visperterminen. Ich fühlte mich sehr gut und übernahm in unserer Gruppe praktisch den ganzen Aufstieg die Führung.
Nach der ersten Verpflegungsstation folgte ein Singletrail vom feinsten hinunter nach Visp. Als es hinauf nach Unterbäch ging, waren wir immer noch vier Teams zusammen. Leider hatte Timon kurz vor dem Kulminationspunkt Krampferscheinungen und wir mussten unser Tempo drosseln. Nach der Abfahrt zurück ins Rhônetal folgte eine längere Flachpassage, bevor es hinauf nach Leukerbad ging. Ich übernahm einen grossen Teil der Führungsarbeit, damit Timon seine Oberschenkelmuskulatur ein wenig schonen konnte. Wenige Minuten nachdem wir den Aufstieg in Angriff nahmen, bekundete ich Mühe. Ich fühlte mich komplett leer und es waren noch rund 10km zu absolvieren. Irgendwie puschte mich Timon den Berg hinauf. Das einzige was mich noch auf dem Bike hielt war der Gedanke an die Nusstorte im Ziel;-). Wir kamen als 8tes Team ins Ziel. Der Zeitrückstand war jedoch sehr gross.

2. Etappe Leukerbad-Leukerbad, 13.09.17

Auch die heutige Etappe mit Start- und Ziel in Leukerbad war mit 70km und 2‘600HM alles andere als ein Zuckerschlecken. Der erste Teil der Etappe führte im XCO Stil hinab ins Rhônetal, durch wunderschöne Weinberge um Salgesch. Die Abfahrten wurden immer wieder durch kurze Gegenanstiege unterbrochen. Diese Streckenführung führte dazu, dass im Flachstück immer noch rund 10 Teams zusammen waren. Die Teams bestehend aus jungen XCO-Fahrern, zu denen auch wir zählten, machten ordentlich Druck. Die Streckenführung im ersten Teil der heutigen Etappe war sicher auch auf uns zugeschnitten. Das Highlight der heutigen Etappe bildete die 200m lange Hängebrücke bei Niouc, die mit 200m Tiefblick auf den Talboden höchste Bungy-Brücke Europas. Nichts für schwache Nerven! Beim Aufstieg hinauf nach Niouc wurde es dem Leaderteam ein wenig zu bunt und sie erhöhten das Tempo. Wir fuhren in einer grösseren Gruppe von Teams um Position 6-9.
Nach der Überquerung der Hängebrücke machten sich leider bei Timon wieder Krampferscheinungen bemerkbar. Wir mussten die Gruppe ziehen lassen.
Kurz danach hatten wir noch einen etwas speziellen Zwischenfall. Wir kamen einen Trail hinuntergeschossen, als plötzlich ein älterer Herr im Wege stand. Er winkte uns vorbei. Die Situation kam uns ein bisschen seltsam vor, doch wir fuhren dann weiter, als uns plötzlich zwei Teams entgegenkamen. Wir drehten auch um. Der ältere Herr fuchtelte wild mit einem Stock. Mitten in den Trail hatte er einen Eisenpfahl gesteckt. Nach einer kurzen, jedoch heftigen Diskussion fuhr ich dann einfach den Trail hinunter, die anderen folgten kurze Zeit später.
Im letzten Aufstieg des Tages mussten wir wieder hinauf nach Leukerbad. Ich fühlte mich immer noch sehr gut. Ich unterstützte Timon so gut es ging. Er kämpfte tapfer bis zum Ende. Wir beendeten die Etappe auf Position 10.

3. Etappe Leukerbad – Leukerbad, 14.09.17

Für heute war ursprünglich eine Flowetappe mit mehr Tiefenmetern als Höhenmetern vorgesehen. Der Start hätte auf der 2‘313 m hohen Rinderhütte erfolgen sollen. Aufgrund der schlechten Wettervorhersage – es wurde Schnee vorhergesagt – änderten die Veranstalter die Etappe. Dies war sicher ein vernünftiger Entscheid. Neu waren 41km und 1‘800 HM zurückzulegen.
Bei kühlen Temperaturen und Regen wurde die Etappe pünktlich um 08:00 Uhr gestartet. Bereits beim ersten, rund 30min langen Aufstieg trennte sich die Spreu vom Weizen. Centurion-Vaude fuhr alleine vorne weg. Timon und ich fühlten uns heute beide sehr gut und so gingen wir als fünftes Team in die durch die Regenfälle technisch anspruchsvolle Abfahrt. Nach 20 Km erreichten wir den tiefsten Punkt der heutigen Etappe. Nun stand uns ein Aufstieg mit 900 HM am Stück bevor. Wir gingen das ganze eher gemächlich an, sodass von hinten nochmals zwei Teams aufschlossen. Während ¾ des Aufstiegs waren vier Teams zusammen. Ich fühlte mich sehr gut und hatte während des ganzen Aufstiegs doch noch einige Reserven. Auch die Beine von Timon drehten heute sehr gut und so erhöhte ich rund 2km vor der Abfahrt das Tempo. Es konnte uns nur das Team VTT BMC Fribourg folgen.
Die Abfahrt zurück nach Leukerbad war durch den aufgeweichten Boden sehr technisch. Arnaud Hertling vom Team VTT BMC Fribourg stürzte direkt vor mir. Mir passierte dann genau dasselbe. Ich war jedoch ein wenig schneller wieder auf dem Bike und somit konnten wir uns einen kleinen Vorsprung herausfahren. Wir fuhren dann Vollgas bis ins Ziel und konnten uns dort mit Platz vier über einen weiteren Podestplatz freuen. Wir hatten heute unglaublich Spass auf dem Bike und waren sehr glücklich, nochmals auf dem Podium stehen zu können.

4. Etappe Leukerbad – Zermatt

Bei der heutigen Etappe stand uns nochmals ein harter Brocken bevor. Der panoramareiche Transfer von Leukerbad nach Zermatt beinhaltete 85km und 3‘000 HM. Zudem sorgte das Wetter – die Temperaturen lagen am Morgen am Start um 08:00 Uhr knapp über dem Gefrierpunkt – für ein sehr hartes Rennen.
Der Startaufstieg war heute gleich wie bei Etappe 2. Danach folgte eine längere Abfahrt ins Rhônetal. Bei dieser Abfahrt verlor ich in einer Pflastersteinpassage meinen Bidon, was alles andere als optimal war. Denn die nächste Verpflegung folgte erst bei Kilometer 31. Da nur noch Timon eine Flasche hatte, mussten wir mit dem Getränk sehr sparsam umgehen.
Vor dem Hauptanstieg des Tages auf die Moosalp, bei dem 1‘200 HM am Stück absolviert werden mussten, versteckten wir uns auf der Fläche in einer grösseren Gruppe, um möglichst viele Körner zu sparen. Mitte des Aufstieges fiel dann die Gruppe komplett auseinander und von da an fuhren wir unseren eigenen Rhythmus. Wir fuhren zügig, achteten jedoch auch darauf, nicht zu überziehen, denn bis ins Ziel nach Zermatt war es noch ein weiter Weg. Nach der verspielten Abfahrt von Egga nach Kalpetran folgte der lange, jedoch sanfte Anstieg entlang der Mattervispa, vorbei am grossen Bergsturz (1991) von Randa. Kurz vor Randa wurden meine Beine langsam aber sicher leer. Der verlorene Bidon in der ersten Abahrt sollte sich also doch noch rächen. Timon gab mir genau im richtigen Moment einen Booster mit kurzkettigen Kohlenhydraten und Koffein. Glücklicherweise folgte bei Kilometer 77 nochmals eine Verpflegungsstation. Während Timon für mich einen neuen Bidon schnappte, leerte ich innerhalb von 10s zwei Becher Cola hinunter. Danach ging es rund 2min und ich war wie ein verwandelter Athlet. Ich fühlte mich, als hätte bei mir jemand einen Schalter umgelegt. Ich konnte wieder voll fahren. Mit Blick auf das imposante Matterhorn fuhren wir in Zermatt als 7tes Team über die Ziellinie.
Nach dem Rennen unternahmen wir nochmals alles, um uns möglichst gut für die letzte Etappe zu erholen: Regenerationsdrink von Keforma, gutes Essen, Massage, Eisbad, Kompressionssocken von CEP und viel Schlaf.

5. Etappe Zermatt – Zermatt

Für die heutige Etappe hatten wir uns nochmals richtig viel vorgenommen. Auch wenn 45km sich nicht nach einer harten Etappe anhören, waren doch auch wieder 2‘100 HM zu absolvieren.
Nachdem wir unsere Körper mit dem Einfahren von Täsch nach Zermatt auf Betriebstemperatur brachten, waren wir bereit, ein letztes Mal Vollgas zu geben. Wir nahmen uns heute vor, bereits am Start voll zu fahren. Dies gelang uns dann ziemlich gut und wir fuhren während rund 10min mit den Leaderteams mit. Wir mussten dann ein wenig Tempo rausnehmen, denn es ging bis auf 2‘500 m.ü.M hinauf. Die drei ersten Teams im Gesamtklassement liessen wir ziehen. Wir konnten uns jedoch vom 5. Platzierten Team lösen. Ich fühlte mich sehr gut und auch Timon fuhr in seinem gewohnten Tunnelblick;-) Dies war ein gutes Zeichen. Als wir oben auf Position vier ankamen, hatten wir rund 40s Rückstand auf Position 3 und etwa 1min Vorsprung auf Position 5. Nach der langen Abfahrt hinunter nach Zermatt sahen wir das Drittplatzierte Team rund 15s vor uns. Leider sind dann beide Teams falsch gefahren. Wir hatten wohl einen schlecht platzierten Abzweiger übersehen. So kam es, dass drei weitere Teams zu uns aufschliessen konnten. Beim Panoramaweg oberhalb Zermatt bemerkte ich plötzlich, dass meine Hinterradbremse nicht mehr funktionierte. Wir hatten noch nicht mal die Hälfte der Etappe absolviert! In der Tech- und Verpflegungsstation in Zermatt hielt ich kurz an, um zu sehen was genau los war. Mein Verdacht hatte sich befürchtet: Die hintere Bremsleitung wurde durch eine Stein zerstört. Das war einfach nur Pech! Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Etappe nur mit der Vorderbremse zu Ende zu fahren.
Nun hatten wir noch einen Aufstieg mit 700 HM zu bewältigen. Auch wenn die Erfolgsaussichten auf einen weiteren Podestplatz durch meine defekte Hinterradbremse ziemlich klein war, gaben wir nicht auf und kämpften weiter. Wir fuhren einen sehr hohen Rhythmus und siehe da, ungefähr 1.5km vor dem Kulminationspunkt sahen wir die zwei vor uns liegenden Teams in einer extrem steilen und steinigen Passage. Alle vier Fahrer haben ihr Bike gestossen. Timon konnte den ganzen Aufstieg auf dem Bike bewältigen. Ich musste kurz absteigen, lief jedoch so schnell, dass wir zuoberst bereits ganz vorne waren. Plötzlich schien ein Podestplatz wieder in greifbarer Nähe. Doch das Problem stellte dieses Mal die lange Abfahrt zurück nach Zermatt dar. Wir holten nochmals alles aus unserem Körper heraus, bis wir beide fast vom Bike fielen. Wir mussten unbedingt einen Vorsprung herausfahren, wenn wir eine Chance auf Platz vier haben wollten. Tatsächlich konnten wir einen Vorsprung von fast 1min herausfahren. Es war eine ziemlich gefährliche Angelegenheit mit nur einer Vorderradbremse. Timon fuhr rund 25m vor mir und informierte mich jeweils, was kommt. Leider fuhr ich einmal zu schnell in eine Rechtskurve und überschlug mich. Ich landete Kopfvoran auf dem Trail. Das Bike flog rund 20m den Abhang hinunter. Glücklicherweise war nichts passiert und mein Bike noch ganz. Leider holten uns kurze Zeit später die beiden Teams noch ein und so rollten wir als 6te über die Ziellinie. Die Enttäuschung war gross. Heute wäre definitiv viel mehr möglich gewesen. Doch hätte hätte Fahrradkette… Das Glück lag heute einfach nicht auf unserer Seite. Wir können jedoch trotzdem stolz auf unsere Leistung sein. Wir haben gekämpft bis zum Schluss. Im Gesamtklassement belegten wir den 7. Platz.

Wir können beide auf eine unglaublich schöne, jedoch auch harte Woche zurückblicken. Die Walliser Bergwelt hat unglaublich schöne Singletrails zu bieten. Jede einzelne Etappe hatte ihren eigenen Charakter. Wir lernten wiederum viele neue Leute kennen.
Vielen Dank an alle Sponsoren, die uns diese Woche ermöglichten! Ausser am letzten Tag hatten wir keinen einzigen Defekt! Unser Scott Spark RC 900 mit den DT Swiss Rädern und Maxxis Pneus war das perfekte Setup für das anspruchsvolle Terrain im Wallis.

weitere Impressionen

Pin It on Pinterest