RENNBERICHT SWISS EPIC VOM 20.08.2019 – 24.08.2019

Bereits zum vierten Mal stand ich am Start des Swiss Epics, zum ersten Mal jedoch absolvierte ich das Rennen mit meinem Teamkollegen Kevin Kuhn.
Nach fünf Austragungen im Wallis fand das Rennen zum ersten Mal im Kanton Graubünden statt. Für mich war es sozusagen ein Heimspiel;-). Das fünftägige Rennen, welches über 320km und 12‘000 Höhenmeter führt, erfordert Ausdauer, Durchhaltewillen sowie eine gute Fahrtechnik.

Etappe 1 Davos – St. Moritz, 20.08.2019
Als heute Morgen um 05:15 Uhr der Wecker klingelte, prasselte der Regen lautstark auf’s Dach unseres Campers. Mit 86km und 2‘800 Höhenmetern stand uns auf der ersten Etappe ein hartes Stück Arbeit bevor. Die nasskalten Bedingungen stellten eine zusätzliche Herausforderung dar.
Pünktlich um 07:30 Uhr fiel der Startschuss zum Swiss Epic 2019. Nach einer kurzen neutralisierten Phase durch Davos zündeten einige Teams bereits ein erstes Feuerwerk. Es wurde so gefahren, als sei die Etappe ein XCO Rennen. Kevin und ich liessen die Spitzenteams ziehen, um nicht bereits so früh im roten Bereich fahren zu müssen. Nach den ersten paar welligen Kilometern folgte mit dem Epic Trail, welcher in Monstein startet, bereits ein erster Leckerbissen. Wegen der starken Regenfälle war jedoch Vorsicht angesagt, denn die Wurzeln waren extrem rutschig.
Als wir unten in Filisur ankamen, stand uns mit dem Albulapass der härteste Brocken des Tages bevor. Wir fanden einen guten Rhythmus und sahen in der Mitte des Albulapasses einige Teams vor uns, die in Schwierigkeiten waren. In der aufgeweichten Abfahrt vom Albulapass fuhren wir zu zwei Teams auf. Dies kam uns gerade recht, denn die Kilometer von La-Punt bis St. Moritz waren mehrheitlich flach. Ich musste unter dem Tempodiktat von Simon Vitzthum ziemlich leiden, um dranzubleiben. Der Schluss der heutigen Etappe führte durch den berühmten Stazerwald. Mittlerweile war ich am Ende meiner Kräfte, doch Kevin motivierte mich, nochmals alles aus mir herauszuholen. So reichte es am Ende des Tages für einen soliden 10ten Rang.

Etappe 2 St. Moritz – St. Moritz, 21.08.2019
Auf der zweiten Etappe waren 65km gespickt mit 2‘500 Höhenmetern zurückzulegen. Nach dem Start ging’s zuerst hoch zur Olympiaschanze. Die ersten Kilometer waren wiederum sehr coupiert. Kevin und ich hielten uns hinter den Spitzenteams in einer Verfolgergruppe auf. Im langen Flachstück von Pontresina nach Samedan schafften wir jedoch den Anschluss zur Spitze mit ein paar weiteren Teams, da vorne keiner wirklich Führungsarbeit leisten wollte. Diese Phase des Rennens kam uns gerade recht, denn so konnten wir uns vor dem Hauptaufstieg des Tages, welcher von Samedan via Alp Muntatsch bis zum Lej Alv auf 2‘543m.ü.M. führte, nochmals gut verpflegen. Diesen Aufstieg kannte ich von einigen Trainingsfahrten während der Höhentrainingslager sehr gut.
Der härteste Teil des Aufstieges beginnt erst auf der Alp Muntatsch Richtung Marguns. Auf diesem Streckenteil sind ganz schön steile Rampen zu bewältigen. Man ist also gut bedient, bis dorthin einige Körner zu sparen. Dieses Wissen half uns enorm, nicht zu überpacen. So konnten wir bis zum Kulminationspunkt ein schön gleichmässiges Tempo fahren. Die Schinderei hat sich heute definitiv gelohnt, denn nun folgte der Corviglia WM Flowtrail zurück ins Tal. Wir genossen die Abfahrt und freuten uns am Ende über den 8ten Etappenplatz.

Etappe 3 St. Moritz – Lenzerheide, 22.08.2019
Heute stand uns eine Überführungsetappe, welche als Königsetappe deklariert wurde, bevor. In den ersten paar flachen Kilometern von St. Moritz nach La-Punt zum Fusse des Albulapasses sorgte Daniel Geismayr vom Centurion Vaude Team für’s Tempo. Bereits nach wenigen Minuten im Aufstieg zersplitterte sich das Feld. Wir fuhren wiederum unser Ding. Als 8tes Team nahmen wir die Abfahrt vom Albulapass in Angriff. Der Rückstand zu den vor uns liegenden Teams war jedoch nicht allzu gross.
Wir waren davon überzeugt, durch eine gute Abfahrt die Lücke zu den Teams vor uns schliessen zu können. Doch dann kam durch einen Hinterraddefekt bei Kevin alles anders. Bei einem spitzigen Stein hatte er sich die ganze Seitenwand des Pneus aufgeschlitzt. Wir mussten einen Schlauch reinmachen und diesen durch eine Visitenkarte, welche ich glücklicherweise immer mit dabei habe, vor dem Herausdrücken schützen. Durch diesen Zwischenfall verloren wir rund 6min. Wir liessen jedoch unsere Köpfe nicht hängen und starteten eine fulminante Aufholjagd. Wir sammelten Team um Team ein. Auf Rang 14 liegend nahmen wir den Schlussaufstieg von Tiefencastel auf die Lenzerheide in Angriff. Die Beine drehten bei uns beiden sehr gut und so sahen wir vor uns bereits die zwei nächsten Teams. Dies motivierte uns zusätzlich, sodass wir uns gegen Ende der Etappe nochmals ein Team schnappen konnten. Mit 10min Rückstand auf die Etappensieger belegten wir doch noch Etappenrang 10. Ohne diesen Zwischenfall wäre heute viel mehr möglich gewesen. Doch hätte hätte Fahrradkette… Wir freuten uns beide über unsere guten Beine und schauten zuversichtlich auf den morgigen Tag.

Etappe 4 Lenzerheide – Lenzerheide, 23.08.2019
Die heutige Etappe war mit 48km und 2‘150 Höhenmetern die kürzeste des diesjährigen Swiss Epics. Kurz bedeutet jedoch oft nicht weniger hart;-). Oftmals wird dann einfach von Beginn an viel schneller gefahren.
Doch heute war das Tempo für einmal nicht sehr hoch. Dies führte dazu, dass sich beim ersten Aufstieg von Parpan Richtung Scharmoin eine grössere Spitzengruppe bildete. Erst in der Mitte des Aufstieges wurde es dem Leaderteam Trek Selle San Marco zu bunt. Sie erhöhten das Tempo und sprengten damit die Spitzengruppe. Wir konnten das Tempo auch nicht ganz halten und konzentrierten uns auf uns. Nun folgte ein neu erbauter Flowtrail zur Mittelstation der Rothornbahn Scharmoin, wo sich die erste Verpflegungsstation befand. Auf der FLOWline des Bikeparks Lenzerheide ging es rasant weiter zurück ins Tal.
Der zweite längere Aufstieg des Tages folgte auf der gegenüberliegenden Talseite auf Schotter, wo der Aufstieg nach 500 Höhenmetern durch eine kurze Abfahrt zur nächsten Verpflegungsstelle unterbrochen wurde.
Nun wurde es richtig steil. Die Strecke führte teilweise über die Skipiste bis auf 2‘150 m.ü.M, dem höchsten Punkt der heutigen Etappe. Wir lagen während des ganzen Aufstiegs auf Positon 6. Diese Platzierung verteidigten wir auch in der Abfahrt zurück ins Start-Zielgelände am Heidsee.

Etappe 5 Lenzerheide – Davos, 24.08.2019
Heute stand das grande Finale, welches vom Heidsee über Filisur via Rinerhorn nach Davos führte, auf dem Programm. Da es zu Beginn mehrheitlich bergab ging, bildete sich wiederum eine grössere Spitzengruppe. Nach der Überquerung des Wiesenviaduktes folgte der steile Aufstieg zum Jenisberg, wo sich zum ersten Mal so richtig die Spreu vom Weizen trennte. Mit den Spitzenteams konnten wir nicht ganz mithalten. Wir hatten jedoch mit drei weiteren Teams gute Gesellschaft. Den Aufstieg zum Haupthindernis des Tages, dem Rinerhorn, nahmen wir gemeinsam mit dem Profiteam BUFF SCOTT in Angriff. Wir konnten uns bereits früh von ihnen absetzen und holten nochmals alles aus unserem Körper heraus. Auf dem Rinerhorn angekommen, war das Ziel in greifbarer Nähe. Es war jedoch nochmals volle Konzentration gefragt, denn durch die Regenfälle am Vortag war der mit vielen Wurzeln bespickte Singletrail hinunter vom Rinerhorn sehr rutschig. Wir fuhren zügig runter, ohne jedoch zu viel Risiko einzugehen. Nach einem kurzen Gegenaufstieg nach Clavadel erreichten wir Davos, wo noch rund zwei flache Kilometer zurückzulegen waren. Wir beendeten die heutige Etappe auf Postion sieben. In der Gesamtwertung belegten wir ebenfalls den guten 7ten Rang.

Wir waren beide sehr zufrieden mit unserer Leistung. Wir harmonierten während der ganzen Woche sehr gut und durften eine tolle Woche in der imposanten Bündner Bergwelt und auf feinsten Singletrails verbringen. Abgesehen vom ersten Tag war auch Petrus auf unserer Seite.
Ein grosser Dank gebührt auch unserem Betreuerteam, ohne dieses wir diese Leistung niemals hätten erbringen können: Unser Mechaniker Jann Spichtig hat unsere Bikes nach jeder Etappe wieder auf Vordermann gebracht. In diesem Jahr gab es durch die schlammigen Verhältnisse in den ersten Etappen besonders viel Arbeit für den Mechaniker. Julia Hegar hat unsere Beine nach jeder Etappe durchgeknetet, sodass sie für den nächsten Tag wieder bereit waren. Meine Eltern waren für

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